Wenn aus alten Häusern neue Wohnungen werden

Fragen und Antworten zur Kernsanierung und Erweiterung an der Goebenstraße

An der Goebenstraße nutzt der Dürener Bauverein zwei nicht mehr bewohnbare Häuser aus den 60er-Jahren, um modernen, energieeffizienten Wohnraum zu schaffen. 48 neue Wohnungen entstehen. Doch wie viel Altbau steckt am Ende noch im Neubau? Und welche Vorteile hat es, alte Substanz für ein neues Bauprojekt zu nutzen? Darüber haben wir mit Vanessa Hüttl, Abteilungsleiterin Neubau und Modernisierung beim Dürener Bauverein, gesprochen.

Frau Hüttl, wenn man die alten Häuser an der Goebenstraße sieht, fragt man sich unwillkürlich: Warum reißt man sie nicht einfach ab und baut neu?
Vanessa Hüttl: Weil das nicht unbedingt die bessere Lösung wäre. Natürlich ist ein Neubau auf den ersten Blick einfacher zu planen. Aber wir haben hier eine Gebäudesubstanz, die wir sinnvoll weiterverwenden können. Wenn uns die alten Mauern noch eine gute Grundlage für die Zukunft bieten, müssen wir sie nicht abreißen. So vermeiden wir riesige Mengen an Bauabfällen und sparen wertvolle Ressourcen.

Das klingt ökologisch sinnvoll. Aber rechnet sich dieser Weg auch wirtschaftlich?
Hüttl: Wir betrachten dabei nicht nur die unmittelbaren Baukosten, sondern auch die langfristige Perspektive. Der heutige Bestand an der Goebenstraße weist eine schlechte CO₂-Performance auf und gehört damit zu den sogenannten „braunen Immobilien“. Solche Gebäude können durch steigende energetische Anforderungen und dauerhaft hohe Verbräuche zunehmend an Attraktivität verlieren und langfristig Gefahr laufen, zu „Stranded Assets“, also zu nicht mehr zukunftsfähigen Immobilien, zu werden. Genau dieser Entwicklung wollen wir entgegenwirken. Mit der umfassenden Sanierung verbessern wir die energetische und technische Qualität der Gebäude und sichern damit langfristig die Zukunftsfähigkeit unseres Bestands.

Wie viel bleibt denn letztlich von den alten Häusern übrig?
Hüttl: Auch wenn die Gebäude später neu aussehen werden, befindet sich im Inneren noch die alte tragende Struktur. Alles andere wird neu: Haustechnik, Fassaden, Fenster, der gesamte Innenausbau. In der vorhandenen Gebäudestruktur entstehen also vollkommen neue Wohnungen. Genau deshalb sprechen wir von einem „Neubau im Bestand“.

Bleibt auch die Struktur der einzelnen Wohnungen erhalten? Schließlich war der Wohnungszuschnitt in den 60er-Jahren noch ein ganz anderer.
Hüttl: Das stimmt, die damaligen Wohnungsgrundrisse entsprechen nicht unbedingt dem, was Menschen heute von einer modernen Wohnung erwarten. Deshalb übernehmen wir die alten Raumaufteilungen auch nicht einfach. Weil wir die Gebäude komplett entkernen, können wir die Grundrisse neugestalten und an heutige Anforderungen an modernes und zeitgemäßes Wohnen anpassen.

Aber ist die 60 Jahre alte Gebäudesubstanz denn noch so gut wie die eines Neubaus?
Hüttl: Entscheidend ist, in welchem Zustand sich die tragenden Bauteile befinden und welche Anpassungen notwendig sind. Die vorhandene Tragstruktur bildet die Grundlage unserer Planung. Natürlich bedeutet das nicht, dass wir alles unverändert lassen können. Dort, wo Schwachstellen vorhanden sind, wird gezielt nachgebessert. Auch am bestehenden Mauerwerk sind Instandsetzungsarbeiten vorgesehen. Hinzu kommt der vollständige energetische Neuaufbau der Gebäudehülle. Wir verbinden also die weiter nutzbare Substanz mit moderner Bautechnik.

Ist eine solche Sanierung am Ende nicht sogar komplizierter als ein Neubau?
Hüttl: In mancher Hinsicht ja. Bei einem Neubau kann man von Anfang an alles frei planen. Im Bestand muss man sich dagegen immer mit dem auseinandersetzen, was bereits vorhanden ist. Nicht jede Lösung lässt sich genauso umsetzen, wie man es auf dem Papier vorgesehen hat. Das erfordert manchmal auch Flexibilität während der Bauphase. Aber genau darin liegen auch die Herausforderung und der Reiz eines solchen Projekts: aus dem Vorhandenen etwas Neues und Zukunftsfähiges zu schaffen.

Und wie wirkt sich das auf die Bauzeit aus?
Hüttl: Wie gesagt: Eine derartige Bestandssanierung ist eine besondere Herausforderung, weil wir ja auf die vorhandenen Gegebenheiten Rücksicht nehmen müssen. Aber die 48 neuen Wohnungen sollen wie geplant 2028 fertig sein.

Vanessa Hüttl,

Abteilungsleiterin