Weiberfastnacht: Emanzipation pur!

Serie „Gut zu wissen!“, Teil 3: Wo und wann wurde eigentlich die Wieverfastelovend geboren?
Wusstet ihr eigentlich, dass die Weiberfastnacht nicht in den großen Karnevalshochburgen wie Köln, Düsseldorf oder Mainz erfunden wurde? Und auch nicht im Dürener Grüngürtel – obwohl die Story der „starken Frauen“ auch hierher prima passen würde! Nein, wer den Ursprung dieses Feiertags sucht, muss über den Rhein nach Bonn-Beuel blicken. Die Geschichte dahinter ist echtes Gold und ein frühes Zeugnis für weibliches Selbstbewusstsein.
„Ohne uns, Jungs!“ – Der Aufstand der Wäscherinnen
Wir schreiben das Jahr 1823: Beuel war damals das Zentrum der Wäschereien. Während die Frauen am Rheinufer schufteten und die Wäsche unter harter körperlicher Arbeit reinigten, hatten die Männer den entspannten Part: Sie fuhren die saubere Wäsche in die Domstadt Köln.
Dort lebte nach Jahren des Verbots gerade der öffentliche Karneval wieder auf – und die Beueler Männer ließen sich nicht zweimal bitten: Statt mit dem verdienten Geld nach Hause zu kommen, „investierten“ sie die Einnahmen lieber direkt vor Ort in flüssigen Proviant und feierten ausgelassen. Doch an diesem Donnerstag war Schluss: Die Beueler Frauen – als Waschfrauen ohnehin als „robust“ und charakterstark bekannt – ließen sich das nicht länger gefallen. Sie streikten kurzerhand, ließen die Arbeit liegen und trafen sich stattdessen zum Kaffeeklatsch, um gemeinsam über ihre Männer herzuziehen. Aus diesem Widerstand entstand wenig später das Beueler Damenkomitee. Es war die Geburtsstunde der Weiberfastnacht und ein Akt purer Emanzipation.
Von der Waschfrau zur Obermöhn
Was damals als wütender Protest begann, entwickelte sich über zwei Jahrhunderte zu einer festen Tradition. An der Spitze der Bewegung steht bis heute die Obermöhn – eine Art Präsidentin des Festausschusses. Ein Höhepunkt ist die jährliche Rathausstürmung, an deren Ende die Wäscherprinzessin triumphierend den Rathausschlüssel in den Händen hält. Die Männer versuchen zwar jedes Jahr aufs Neue mit prominenter Unterstützung gegenzuhalten – so holten sich die Bürgermeister in der Vergangenheit zum Beispiel Schützenhilfe von Comedian Tom Gerhardt oder auch von Dr. Eckart von Hirschhausen – doch gegen die geballte Möhnen-Power kamen auch sie nicht an. Am Ende kapituliert das Rathaus immer.
Ein Erbe, das weiterlebt
Auch wenn die Kostüme heute „flotter“ geworden sind, der Kern der Weiberfastnacht bleibt gleich: Es ist der Tag, an dem die Frauen das Zepter übernehmen. Ob beim symbolischen Krawattenschneiden (als Zeichen der Entmachtung der Männerwelt) oder beim ausgelassenen Feiern auf den Straßen. In diesem Sinne: Beuel Alaaf! Düren Alaaf! Und allen jecken Weibern (und natürlich auch den Männern) tolle Tage!


